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UMU-Wirtschaftsumfrage
2009/2010 „Seid
verschlungen Milliarden“
Mittelstand fordern
Konsequenzen für die Vernichtung vieler Milliarden durch die Finanzindustrie
Trotzdem: Wirtschaftsentwicklung 2010 mit aufkeimendem Optimismus
Während
einige Fachverbände auf ihren Jahresabschluss-Pressekonferenzen noch heftig in
Pessimismus machen sieht der Mittelstand bereits Licht am Ende des Tunnels. Das
Klima bleibe zwar weiter unterkühlt, aber es zeigen sich auch Anzeichen einer
Entspannung. 20,6 Prozent der mittelständischen Unternehmer beurteilen die
Wirtschaftslage wieder als „gut“, 60,3 Prozent als „mäßig“ und 19,1 Prozent als
„schlecht“. Im Vorjahr waren diese Zahlen noch deutlich schlechter.
"Nach den jetzt vorliegenden Zahlen hellt sich das Klima auf und Optimismus
macht sich breit,“ erklärte UMU-Präsident Hermann Sturm anlässlich der
Jahrespressekonferenz der Union Mittelständischer Unternehmen e.V. in München.
„Bei den Erwartungen an die Zukunft zeigt sich heute ein wesentlich besseres
Bild als noch vor einem Jahr. Die Talsohle der Rezession scheint durchschritten
zu sein, denn fast 1/3 der antwortenden Unternehmer (29,5%) rechnet mit einer
Verbesserung der Wirtschaftslage“, erklärte Sturm. Im Vorjahr waren es nur 6,3%.
Immerhin die Hälfte (52,6%) rechnet mit keinen Änderungen und nur noch 17,8
Prozent glauben dass sich die Wirtschaftslage verschlechtern wird (i.V. 59,2%)“.
Diese positiven Erwartungen werden unterstützt von der Investitionsplanung, denn
69,2 Prozent gaben an in 2010 investieren zu wollen (i.V. 55,5%) nur ein Drittel
(30,8%) wollen das nicht (i.V. 44,5%).
Bei den Investitionsarten setzen 47,8 Prozent auf Ersatzinvestitionen und
immerhin 38,7 Prozent auf Erweiterungsinvestitionen.
Rationalisierungsinvestitionen liegen mit 14,2 Prozent deutlich zurück auf Rang
drei.
Als Haupthemmnisse der Wirtschaftsentwicklung sieht der Mittelstand weiterhin
die Nachfrage mit 55,9 Prozent, gefolgt von der Bürokratie (51%) und den Kosten,
die auf 39,7% weiter zurückgegangen sind.
Beim Bürokratieabbau sieht die UMU weiter akuten Handlungsbedarf. Zwar sei
bisher zu Beginn jeder Legislaturperiode ein solcher Abbau versprochen worden,
aber herausgekommen sei dabei recht wenig.
Was es bedeute alles den Kräften des Marktes zu überlassen habe die jüngste
Vergangenheit gezeigt. Es sei die Aufgabe des Staates und seiner Regierung
vernünftige Rahmenbedingungen zu schaffen und auch darüber zu wachen, dass diese
eingehalten werden, erklärte Sturm.
„Die Finanzkrise ist ein Überwachungsfehler der zuständigen Finanzaufsicht und
des Bundesfinanzministeriums,“ ergänzte der UMU-Präsident seine Kritik.
Die Folgen dieses riesigen „Geldvernichtungsprogrammes“ – frei nach Schiller im
Schiller-Jahr „Seid verschlungen Milliarden“ (statt „Seid umschlungen
Millionen“) seien noch nicht ausgestanden und die Zeche müssten die Bürger und
der Mittelstand zahlen, z.B. durch die Vernichtung von erspartem Vermögen oder
die Zurückstellung grundlegender Steuerreformen, z.B. à la Kirchhof oder den
Stufentarif der FDP. Der Mittelstand fordert die Fach-Verantwortlichen zur
Rechenschaft zu ziehen.
Die versäumte Steuerreform 2006, nach dem Kirchhof Modell, das von der Kanzlerin
nach ihrer Zwangskoalition mit der SPD beerdigt wurde, hält der Mittelstand nach
wie vor erstrebenswert. Das Modell der FDP wird dagegen mit etwas größerer
Zurückhaltung beurteilt. Auch die FDP-Vorstellung zur Reform der
Krankenversicherung hält unser Verband grundsätzlich für diskussionswürdig. Wir
brauchen dringend eine Kostensenkung im Gesundheitswesen und die Versicherten
müssen die Kosten selbst „mitdämpfen“.
Wohin wir im Jahr 2010 wirklich gegangen sein werden, werde sich erst am
Jahresende herausstellen, so Sturm.
Beschäftigung
Die Arbeitslosigkeit ist in 2009 wegen der großzügigen Kurzarbeitslösungen der
Regierung dennoch nicht im erwarteten Umfang angestiegen. Das könnte sich im
Jahr 2010 ändern wenn Kurzarbeiter-Regelungen in der Automobilindustrie und der
Zulieferer auslaufen. Vor allem die Beschäftigten in Großbetrieben und
Niedriglohn-Jobs könnte es treffen, meinte Sturm.
Insgesamt zeigt sich der Mittelstand in der Beurteilung der
Beschäftigungsentwicklung jedoch deutlich optimistischer als im vergangenen
Jahr. 6,1 Prozent der Unternehmer rechnen damit, dass die Beschäftigung
gesamtwirtschaftlich steigt (Ende 2008: nur 0,2%). 34% rechnen mit gleich
bleibender Beschäftigung (2008: 21%), aber noch gehen fast 60 Prozent (59,1%)
davon aus, dass die Beschäftigung im Jahr 2010 zurückgeht (78,2% im Vorjahr).
Wenn man sich zur Kontrolle die Planung der Beschäftigung im eigenen Betrieb
ansieht, wird die steigende Zuversicht noch deutlicher.
20,6 Prozent der kleineren mittelständischen Unternehmer planen demnach
Neueinstellungen in 2010,
etwa die gleiche Zahl (20,2%) plant Einschränkungen, aber fast 60 Prozent
(58,3%) wollen die Mitarbeiter halten. Der Mittelstand ist weiterhin ein Garant
für Stabilität!
Marktanpassung
Erschließung neuer Märkte (63,2%) und Änderung der Produktpalette (41,7%) stehen
an erster Stelle bei der Marktanpassung des Mittelstandes. An dritter Stelle
steht die Änderung der Produktion. Kapazitäten abbauen wollen 14,2 Prozent und
an Kapazitätserweiterung denken immerhin 11,7 Prozent.
Handlungsbedarf in der
Politik und Maßnahmen der Bundesregierung
Nachdem der Staat im abgelaufenen Jahr sein Kapital in erheblichem Umfang für
die „Alimentierung von Banken“ verwendet hat, muss er jetzt sparen. Die daraus
entstehenden Belastungen des Staatshaushaltes sind um ein Vielfaches größer als
eine an die allgemeine Inflation angepasste Rentenerhöhung.
Beim Handlungsbedarf der Politik hat sich gegenüber den Vorjahren eine deutliche
Verschiebung ergeben. Heute steht für den Mittelstand die Finanzpolitik, die
sich um die Staatsfinanzen kümmert, mit 54,7 Prozent deutlich vor der
Steuerpolitik mit 37,2 Prozent an erster Stelle. Hier sieht der Mittelstand den
größten Handlungsbedarf.
Weil es immer mehr „Schwächere“ in der Gesellschaft gibt, sieht der Mittelstand
auch hier Handlungsbedarf. Die Sozialpolitik liegt mit 31,2 Prozent auf Rang
drei.
Gefordert wird vom Mittelstand neben einer Reform des Steuersystems auch die
Einführung einer Börsen-Umsatzsteuer („Tobin-Steuer“). In Deutschland werden an
den Börsen jährlich insgesamt rund 163 Billionen Euro umgesetzt. Eine
Mini-Börsen-Umsatzsteuer von 0,05 % würde dem Staat nach Rechnung von Experten
27 Milliarden Euro bringen. 80,2 Prozent der antwortenden mittelständischen
Unternehmer sind für eine solche Umsatzsteuer (nein 13,8%, weiß nicht 6,1%), die
zugleich eine exzellente Möglichkeit wäre die Staatsverschuldung schneller
abzubauen.
Da der Mittelstand jedoch keine Steuererhöhungen will, weil sie für die
Konjunktur Gift darstellen, kann eine Tobin-Steuer nur in Verbindung mit einer
Steuerreform kommen, die Bürger und Mittelstand um einen entsprechenden Betrag
entlastet. Außerdem hätte ihre Einführung nur dann Sinn, wenn sie weltweit
erhoben würde, sonst zahlten nur die kleinen Bürger die Hauptlast.
Vizekanzler Westerwelle hat sich dagegen ausgesprochen. Der Französische
Staatspräsident ist dafür und auch die Kanzlerin hat sich bisher dafür
ausgesprochen.
Wege aus der Rezession
und Finanzkrise
Der Koalitionsvertrag der schwarz/gelben Regierung enthält eine Reihe von
Absichtserklärungen mit wenig konkretem Inhalt. Die erste Maßnahme, das
Wachstumsbeschleunigungsgesetz, ist gerade in Kraft getreten. Mit ihm zieht die
Regierung die Lehren aus der großen Weltwirtschaftskrise der 20er-Jahre die
heißen: Die Wirtschaft darf auf keinen Fall „in eine Deflation gespart“ werden.
Eine Senkung der Steuern ist notwendig um die Wirtschaft anzukurbeln.
„Diese Überlegung ist im Prinzip richtig“ erklärte der UMU-Präsident, „auch wenn
sie selbst unter „Experten“ umstritten ist. Wir haben die mittelständischen
Unternehmer danach gefragt ob es der schwarz/gelben Koalition gelingen damit die
Wirtschaft anzukurbeln. Immerhin 42,8 halten das für möglich. Daran, die
Staatsverschuldung deutlich zu verringern, glauben allerdings nur 6,9 Prozent.
Die Arbeitslosigkeit durch Regierungsmaßnahmen nachhaltig zu senken halten nur
16,2% für wahrscheinlich“,
Die FDP, die sich nach Ansicht des Mittelstandes bei den Koalitionsverhandlungen
weitgehend durchgesetzt hat (42,1% meinen das), will die Steuer mit Steuersätzen
von 10, 25 und 35 Prozent reformieren. Eine knappe Mehrheit von 44,1 Prozent
hält das für glaubhaft und sinnvoll (42,5% nicht).
Auch zum Wachstumsbeschleunigungsgesetz bzw. zu den Entlastungsbeschlüssen der
Bundesregierung sind die Meinungen gespalten. 47,8 Prozent halten nichts davon.
76,9 Prozent sehen keine konkreten Auswirkungen auf ihren Betrieb.
Mehr hält der Mittelstand von der Abschaffung des Solidaritätszuschlages (87,4%
sind dafür) und von der Abschaffung der gewinnunabhängigen Elemente bei der
Gewerbesteuer (72,5% sind dafür). 44,1 Prozent sind der Meinung, dass das Rating
nach Basel II für 5 Jahre ausgesetzt werden sollte (dagegen 37,7%). Für eine
Revision des Insolvenzrechts sprechen sich 69,6 Prozent der mittelständischen
Unternehmer aus.
Verursacherprinzip auch
in der Finanzkrise!
Was für die Realwirtschaft im Umweltschutz gilt sollte auch für die
Finanzindustrie gelten. Verantwortliche Bankvorstände, bankfachlich versierte
Aufsichtsräte, sowie beteiligte Wirtschaftsprüfer und Ratingagenturen sollten
zivil- und strafrechtlich belangt werden. Dafür sind 88,6 Prozent (nein 6,9%).
Ordnungspolitik und
Finanzmärkte
Die Vergangenheit hat gezeigt, dass es der Bundesregierung nicht gelungen ist
sich mit starker Hand gegen die Lobby der Interessenvertreter durchzusetzen. Das
zeigt sich in der Flickschusterei in der Gesundheitspolitik ebenso wie in der
Verbraucherpolitik.
Der Etat für Medikamente macht den höchsten Anteil der Gesundheitskosten aus.
Warum müssen Medikamente in Deutschland doppelt sie viel kosten wie z. B. in
Spanien?
Die Mehrheit der Bürger will bei der Lebensmittelkennzeichnung die Ampel. In
England hat sich diese bestens bewährt. Warum ist das bei uns nicht möglich?
Trotz möglicherweise gutem Willen, glaubte bereits bei der UMU-Umfrage im
Vorjahr die Mehrzahl der mittelständischen Unternehmer (54,1%) nicht daran, dass
es der Bundesregierung im eigenen Land gelingen wird, die Banken wirksam zu
kontrollieren. Ob das der schwarz/gelben Koalition nun gelingt? Daran zweifelt
der UMU-Präsident: „Ob der CDU-Finanzminister das schafft, bleibt abzuwarten.
Die Möglichkeit dazu hätte er. Die verantwortungsbewussten Kräfte in den
Regierungsfraktionen scheinen dafür zu sein.“
Die Parteien
Erstmals seit einiger Zeit gibt es wieder gute Noten für die Regierungsparteien.
Mit 52,6 Prozent schneidet dabei die FDP am besten ab, ähnliche Noten (59,3%)
hatte sie schon als sie noch in der Opposition war. Von den C-Parteien erreicht
die CDU immerhin zu 46,6 Prozent die Note „gut“, die CSU kommt mit dieser
Benotung dagegen nur auf 21,9 Prozent.
Bei der Opposition punkten die „Die Grünen“ ihre Politik halten immerhin 17,4
Prozent für gut. Abgeschlagen dagegen die SPD die bei der Benotung „gut“ nur 3,2
Prozent schafft und damit nur 0,6 Prozent vor der Linkspartei (2,4%) liegt.
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