Unternehmensberatung:
Wie kann
die Vertrauenskrise zwischen Unternehmern und
Beratern
überwunden werden?
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In der aktuellen
Situation und der zunehmenden Globalisierung sind
besonders die Unternehmen vor neue und schwer
kalkulierbare Herausforderungen gestellt. Der Bedarf
an externer Unterstützung steigt.
Liquiditätsengpässe bedrohen vor allem
mittelständische Unternehmen und zwingen zum
Handeln. Dennoch, Klient und Beratung finden schwer
zusammen. Eine Vertrauenskrise belastet das
Verhältnis. Häufig wird kompetente Hilfe zu spät
beauftragt.
Nicht selten wurde in jüngster Zeit
Unternehmenskrisen unter Beteiligung von
Unternehmensberatungen bekannt, die zeigen, dass
diese Dienstleistung nicht immer den gewünschten
Erfolg hat. Hierfür steht auch das Beispiel Märklin
– frei nach dem Motto "Mit hohen Beraterhonoraren in
die Insolvenz".
Rund 14.000 Unternehmensberatungen gibt es in
Deutschland, vom Kleinunternehmen bis zu den
internationalen Beratungsriesen.
In Krisenzeiten gilt es, die passende Unterstützung
und Wissenszufuhr von außen zur richtigen Zeit zu
finden – bei der gegenwärtigen Intransparenz des
Beratungsmarktes „keine leichte Aufgabe für den
Entscheidungsträger“ sagt Peter von Windau,
Nestor der deutschen Mittelstandsberatung, den
Journal-Mittelstand zu einem Gespräch zum Thema
Auswahl und Umgang mit Beratern in München einlud.
Mit dabei waren die Managementberater Dr. Farrokh
Boroomand und Matthias Uebel, beide Kenner der
Beratungsbranche. Sie betonen, dass
Fehlentscheidungen bei der Beraterauswahl zum
Verlust von Vertrauen in die Beratungsbranche führen
können.
Mit Ihnen
und mit Unterstützung von Experten möchten wir außerdem
herausfinden, was bei einer Beraterauswahl zu
berücksichtigen ist und wie Unternehmen von externer
Unterstützung wirklich profitieren können.
Dazu freuen wir uns über Ihre Teilnahme als
Entscheidungsträger an einer Umfrage, bei der es um
Ihre Erfahrungen, Einstellungen und Meinungen zur
Unternehmensberatung geht. |
Peter
von Windau
Peter von Windau absolvierte nach
Abschluss des Ingenieur-Studiums an der
TU-München ein Trainee-Programm der Preussag
AG und war dort dann 10 Jahre lang als
Planungsmanager und Profit-Center-Leiter
international tätig. Anschließend wurde er
Berater, Partner und Mitglied der
Geschäftsleitung bei Roland Berger Strategy
Consultants.
Er ist Mitgründer der DGM, Deutsche
Gesellschaft für Mittelstandsberatung,
München, und war deren Geschäftsführer und
Beiratsvorsitzender.
Er war ferner Teammitglied und Berater beim
2. Bericht des Club of Rome. Er ist
Lehrbeauftragter der Technischen Universität
München und Autor zahlreicher
Veröffentlichungen, u. a. des Bestsellers
"Strategien für Sieger – Erfolgsgeheimnisse
Mittelständischer Unternehmen." Als
Mitarbeiter der Enquête-Kommission der
Landesregierung Baden-Württemberg
untersuchte er die Erfolgsbedingungen der
Zusammenarbeit des Mittelstands mit
Unternehmensberatern. Er ist Mitgründer der
Deutschen Junioren Akademie und war
langjähriger Mentor der Bayerischen Elite
Akademie. |
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JMO: Herr von Windau, warum tun sich Unternehmen,
insbesondere der Mittelstand, so schwer mit den Beratern?
von Windau: Beratungen sind für mittelständische wie
große Unternehmen eine zunehmend wertvolle und wichtige
Quelle für Spezialwissen, individuelle Problemlösungen z. B.
zur Unternehmensnachfolge, zur Strategieentwicklung oder zur
Erarbeitung objektiver Maßstäbe für Entscheidungen. Dabei
kommt es auf die geeignete Auswahl des Beratungsunternehmens
und der eingesetzten Berater an. Diese müssen allerdings zum
Unternehmen und zur Aufgabe passen. Sie müssen in der Lage
sein, mit hohem Einfühlungsvermögen die enormen Wissens- und
Erfahrungsschätze zu heben und mit Ihrer fachlichen
Expertise und passender Methodik den gewünschten
Zusatznutzen bringen. Da wird also bei der Auswahl von
Beratungsleistungen ein wirklich hoher Anspruch an die
Entscheidungsträger gestellt.
Uebel: Mit mehr als 14.000 Beratungsunternehmen
allein in Deutschland ist die Beraterlandschaft mit ihren
vielen Spezialisierungen und unterschiedlichen Qualitäten
unüberschaubar und sehr heterogen. Für einen Manager mit
komplexen Anforderungen ist es sehr schwierig, sich im Markt
zurechtzufinden. Diese Unsicherheit erklärt die
Zurückhaltung bei dieser manchmal existenziellen
Entscheidung.
JMO: Wie können die
Unternehmen den passenden Berater finden?
von Windau: In der Regel versuchen
Entscheidungsträger den Weg über ihr gewohntes Umfeld zu
gehen. Großunternehmen haben ihre bevorzugten
Geschäftspartner (preferred supplier). Mittelständische
Unternehmer bedienen sich dem Rat von Bekannten, aber auch
von Wirtschaftsverbänden, der Fachpresse, des BDU (Bundesverband
Deutscher Unternehmensberater)
oder
berücksichtigen Empfehlungen der Banken. Sicher ist es aber
noch ein ungelöstes Problem, wie der Entscheidungsträger an
den geeigneten Berater kommt.
Boroomand: Aber auch die „preferred supplier“-Listen
in Großunternehmen lösen das Problem nicht, mit dem der
Dienstleistungseinkäufer konfrontiert ist. Es fehlt schlicht
an Transparenz im Markt in Bezug auf Kompetenz und Qualität
der Berater.
JMO: Gibt es Unterschiede zwischen den Anforderungen an
einen Konzernberater und einen Berater für den Mittelstand?
von Windau: Die gibt es durchaus. Ein
Mittelstandsberater hat Berufs- und Lebenserfahrung, da
spielen Umgang mit Misserfolgen, Verhalten gegenüber einem
Eigentümer sowie das gewisse Taktgefühl eine entscheidende
Rolle. Vertrauenswürdigkeit und Glaubwürdigkeit stehen an
erster Stelle. Auch in der Kommunikation sind soziale
Kompetenz sowie Selbstreflexionsvermögen unerlässlich. Ein
Konzernberater muss international orientiert sein, seine
hohe analytische Stärke unter Beweis stellen und brillant
präsentieren können. Darüber hinaus muss er die neuesten
Theorien und Methoden kennen und anwenden können. Beauftragt
wird er meist von Stabsstellen der großen Unternehmen.
JMO: Warum beraten die großen Beratungshäuser vornehmlich die Großen des
Marktes?
von Windau: Dies liegt zum einen an den höheren
Margen, die man in größeren Unternehmen ansetzen kann. Zum
anderen liegt es auch an dem arbeitsteiligen und
überregionalen Vorgehen angelsächsisch geprägter
Beratungsgesellschaften, die seit den siebziger Jahren Stil
und Arbeitsweise der Branche dominierten und häufig nicht
zur mittelständischen Unternehmenskultur passen. Ihnen wird
geringes Einfühlungsvermögen und der Einsatz allzu junger
und unerfahrener Berater nachgesagt.
JMO: Und wie lässt sich die Qualität einer
Unternehmensberatung beurteilen?
von Windau: In erster Linie über gute Projekte, die
der Berater in der Vergangenheit durchgeführt hat. Auch
Referenzen oder Testimonials können durchaus aussagekräftig
sein. Dann hängt es von der Öffentlichkeitsarbeit des
Beratungsunternehmens ab, seine Pluspunkte bekannt zu
machen. Nicht zuletzt ist es das Bauchgefühl sowie das
psychologische Geschick des Entscheidungsträgers, schwarze
Schafe von guten Beratern zu unterscheiden. Schwarze Schafe
der Branche sind beispielsweise solche, die - oft auch
gezielt - aus dem europäischen Ausland deutsche
mittelständische Unternehmen aggressiv akquisitorisch
bearbeiteten. Dafür ist allerdings ein geschultes Auge
nötig, um solche Vorgehensweisen überblicken zu können.
Uebel: Es mag auch Unternehmensberatungen geben, die
ihre Kompetenzen bei der Akquisition von neuen Themenfeldern
überschätzen. Da ist so manch gestandener Unternehmer
überfordert, wenn er bei der Auswahl eines geeigneten
Dienstleisters die Beraterbranche nicht wirklich kennt. Es
gilt, mit einer sorgfältigen Prüfung von Beratungsangeboten
und einer verantwortungsvollen Begleitung des
Beratungsprojektes den Erfolg zu gewährleisten.
JMO: Was ist ein „guter Berater“?
von Windau: Ein guter Berater bietet entweder selbst
die Umsetzung der Ergebnisse seiner Beratung an oder gibt
eine verbindliche Empfehlung, wie und durch wen dies
geschehen kann. Es gilt immer, das Unternehmen so schnell
wie möglich in die Lage zu versetzen, ohne Beraterhilfe
erfolgreich zu sein.
Boroomand: Ein guter Berater ist auch in der Lage,
die Problemstellung nach eingehender Analyse „geschickt“ zu
erweitern.
Dies hat allerdings zwei Facetten: einerseits können ganz im
Sinne des Auftraggebers ein Bündel von Ursachen und
Problemen abgestellt werden. Andererseits dienen solche
Erweiterungen auch der Vermehrung des eigenen Umsatzes,
quasi als Arbeitsbeschaffungsprogramm für den Berater. Es
liegt an den Entscheidern in Unternehmen, mit dem Berater
Ziele und realistische Ergebniserwartungen zu vereinbaren.
JMO: Ist die Zurückhaltung bei der Beauftragung von
Unternehmensberatung dann nicht verständlich?
von Windau: Verständlich und nachvollziehbar, dennoch
verhindert eine solche Zurückhaltung in vielen Fällen eine
erfolgreiche Entwicklung. In den meisten Unternehmen treten
in regelmäßigen Abständen Situationen ein, die sich mit
Beraterunterstützung schneller, besser und auch
kostengünstiger meistern lassen – beispielsweise bei neuen
Vertriebswegen, beim Eintritt in neue Branchensegmente oder
Regionen. Oftmals unterschätzen besonders Mittelständler
ihre Situation und wissen nicht, dass sie externe Beratung
benötigen, bis es „drückt und kneift“.
Das Gespräch führte
JMO-Chefredakteur Jürgen E. Metzger.
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